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Ausstellungen und Veranstaltungen




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Am 7. Mai 2017 fand die Saisoneröffnung (s. u. im Archiv) unserer drei Ausstellungen statt:
"Ostend - Blick in ein jüdisches Viertel" (im EG)
Die Ausstellung des Jüdischen Museums gewährt Einblicke in Alltag, religiöse Strömungen,
Wohlfahrtspflege und die Wirtschaftsentwicklung im Quartier ab etwa Mitte
des 19. Jahrhunderts. Außerdem widmen wir uns ausführlich der Zeit des Nationalsozialismus,
in der jüdisches Leben und jüdische Zeugnisse im Ostend systematisch vernichtet wurden.
Eine letzte Abteilung thematisiert den vorsichtigen Neuanfang nach 1945 und weist den Weg
zu den zahlreichen Erinnerungsorten im Viertel.
Die Ausstellung wird seit 2004 im Hochbunker gezeigt und wurde 2016 und
2017 neu konzipiert und gestaltet.
Im Obergeschoss des Bunkers präsentiert die Initiative 9. November zwei weitere
sehenswerte Ausstellungen:
„Von Föhrenwald nach Frankfurt“ und
„Jüdische Musikerinnen und Musiker in Frankfurt 1933-1945“

Die Ausstellungen sind jeweils sonntags vom 14. Mai bis 26. November 2017
von 11-14 Uhr geöffnet.

Führung durch die "Ostend - Blick in ein jüdisches Viertel"-Ausstellung
jeweils sonntags um 11.30 Uhr

Außerhalb dieses Zeitrahmens können Besuchstermine und Führungen für Schulklassen
und andere Gruppen unter der Tel.: 069/212 74237 vereinbart werden.

Eintritt für alle Ausstellungen zusammen: 3,- Euro

Führung durch die
"Ostend - Blick in ein jüdisches Viertel"
-Ausstellung: zusätzlich 3,- Euro


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08. Oktober 2017 17 Uhr

„Auf der Suche nach dem verlorenen Klang“


Konzert mit dem Ensemble LA FANTASIA
In der Reihe BunkerRaumKlang
Im Bunker, Friedberger Anlage 5-6, Frankfurt

“ALTE MUSIK” IM BUNKER
Musik des goldenen Zeitalters

Im “Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt” vom März 1934 findet sich, ohne Angabe eines
genaueren Datums, eine Konzertankündigung mit dem Titel
“Alte Musik des 17. und 18. Jahrhunderts”. Die Komponisten hießen Locatelli, Corelli,
Pachelbel, Durante, Lotti, Carissimi, Händel...
In der Woche zuvor hatte man Madrigale aus dem 16. Jahrhundert aufgeführt.
Der große Schatz an Instrumentalmusik des 17. Jahrhunderts war zu der Zeit noch nicht aus
der Versenkung gehoben. Dafür sind die Programme gespickt mit instrumentalen Werken des
Hochbarock, von Bach bis Vivaldi. Aber auch der Name des jüdischen Komponisten
Salomone Rossi - die Erstausgaben führen den Namenszusatz Hebreo - taucht ziemlich oft in
den Programmen des “Frankfurter Israelitischen Gemeindeblattes” auf. Jedoch nur vokale
Werke, da auch seine Instrumentalmusik erst nach dem Krieg entdeckt wurde. Rossi ist der
einzige uns bekannte jüdische Komponist des 17. Jahrhunderts, der reine Instrumentalmusik
komponiert hat.
Das Programm, das wir diesem Ort und den Menschen von damals und heute widmen, enthält Werke von: Salomone Rossi, Henry Purcell, Matthew Locke, Johannes Schenck
Jan Pieterszoon Sweelinck, Carolus Hacquart und anderen.

Impressum: Judith Freise, Gutzkowstraße 19, 60594 Frankfurt

Ensemble LA FANTASIA:
Judith FREISE                 Barockvioline
Marie DESGOUTTE        Barockvioline
Jakob RATTINGER         Viola da gamba
Rien VOSKUILEN            Cembalo

Eintritt 15.-, ermäßigt 12.-


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22. 10. 2017, 16 Uhr

Lesung und Diskussion mit Mirna Funk
"Winternähe" – Winternähe


innerhalb unserer Reihe "Erzählte Erinnerung und erinnerndes Erzählen"

Moderation: Prof. Dr. Hans-Peter Niebuhr
(Vorstandsvorsitzender der Initiative 9. November e. V.)

Mirna Funk wurde 1981 in Ostberlin geboren.
Für ihren Roman "Winternähe" (2015 im Fischer Verlag erschienen) erhielt sie
den Uwe-Johnson-Förderpreis für das beste deutschsprachige Debüt.

"Lola ist Deutsche, und sie ist Jüdin.
Sie fragt sich: Wie viel von mir selbst steckt in meiner eigenen Biografie? Wie lässt sich die Gegenwart mit meiner Vergangenheit in Einklang bringen?
Lola macht sich auf eine Reise, die sie von Berlin nach Tel Aviv und Bangkok führt.

Sie stellt unbequeme Fragen und sucht gefährliche Orte auf. Sie konfrontiert uns mit
Antisemitismus in Deutschland, dem Krieg in Israel im Sommer 2014 und der Frage nach
Identität in einer globalisierten Welt."
(aus dem Klappentext)

Eintritt Frei



Archiv der letzten Ausstellungen und Veranstaltungen



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10. September 2017 17 Uhr
Jo van Nelsen: Grammophon-Lesung "Ich küsse Ihre Hand, Madame -
Jüdische Künstler auf Schellack"


Der bekannte Frankfurter Musikkabarettist Jo van Nelsen lässt längst vergangene Stimmen erklingen.

Der Sänger Richard Tauber, der Dirigent Julius Prüwer, die Violinistin Edith Lorand –
nur einige von vielen jüdischen Künstlern, die aus dem Musikleben der Weimarer Republik
nicht wegzudenken waren. Bis die Nazis 1933 mit ihrer Kulturpolitik absurde Realitäten
schafften, die noch heute nachwirken.

Über die spannenden Biographien vieler jüdischer Künstler wird Jo van Nelsen in dieser
Multimedia-Show erzählen. Er wird Texte von Stefan Zweig u.a. lesen, immer wieder
die Kurbel seines roten Koffergrammophons drehen und auch Verbindungen zu unserer
Ausstellung„Jüdische Musikerinnen und Musiker in Frankfurt 1933-1945“ herstellen.

Neben den genannten Stars der Klassik werden Künstler des jungen Jazz wie Sophie Tucker
und George Gershwin von Schellackplatten zu hören sein.

Eintritt: 12,- Euro

Reservierungen nur per E-Mail an: initiative-9-november@gmx.de


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Donnerstag 17. August 2017 19:30 Uhr
Soirée am Dom
Buchvorstellung:

"Nachrichten aus dem Gelobten Land.
Die Briefe der Anuta Sakheim"


2015 veranstaltete die Initiative 9. November e. V. eine Lesung mit den Briefen Anuta Sakheims.
Daraus ist nun ein Buch geworden.


Mit
Marion Tiedtke, Chefdramaturgin Schauspiel Frankfurt
Alice von Lindenau, Schauspielerin
DW Dreysse, Initiative 9. November e. V.
Moderation: Lisa Straßberger

in der Katholischen Akademie Rabanus Maurus
Haus am Dom
Domplatz 3· 60311 Frankfurt am Main

Eine Veranstaltung von

Weissbooks.W www.weissbooks.com

Initiative 9 November e.V.

Haus am Dom www.hausamdom-frankfurt.de


Eintritt frei

»Wenn wir in Berlin geblieben wären, wäre ich 1943 zwanzig Jahre alt gewesen. Das war
gerade das richtige Alter, um in ein KZ wie Auschwitz geschickt zu werden. Dieses Schicksal
hat mir meine liebe und weitsichtige Mutter erspart«, schreibt Anuta Sakheims Sohn, heute
94 Jahre alt.

Als sein Vater Arthur, Dramaturg und Regisseur am Schauspiel Frankfurt, 1931 starb,
übersiedelte die Witwe mit ihrem Sohn Ruben zunächst nach Berlin, dann nach Palästina. In
Tel Aviv verdiente sie als erste Taxifahrerin mühsam ihren Lebensunterhalt. Um Ruben ein
besseres Leben zu ermöglichen, schickte sie ihn zu ihren Verwandten nach New York,
während sie allein in einem fremden Land zurückblieb.

Der Frankfurter Architekt DW Dreysse schildert, wie die »Initiative 9. November« zu den
Briefen der Anuta Sakheim kam und wie sich die Idee einer Publikation realisierte;
Marion Tiedtke wirft einen Blick auf die Situation im Schauspiel Frankfurt vor und nach Beginn
der Naziherrschaft;
Alice von Lindenau liest aus den Briefen von Anuta Sakheim.

Halbleinenband, 96 Seiten
mit s/w Fotografien, 14,- €
erschienen bei weissbooks


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30. April bis 18. Juni 2017
Die Initiative 9. November e. V. beteiligt sich am Projekt:

www.newcitizens.de




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7. Mai 2017
Einladung zur Saisoneröffnung mit Konzert in der Reihe BunkerRaumKlang

"Sequenza...“


Wir freuen uns, Sie zur Wiedereröffnung unserer Ausstellungen
"Ostend - Blick in ein jüdisches Viertel", "Von Föhrenwald nach Frankfurt"
und "Jüdische Musikerinnen und Musiker in Frankfurt 1933-1945“
am Sonntag, den 7. Mai 2017 um 16 Uhr in den Hochbunker,
Friedberger Anlage 5–6, Frankfurt am Main / Ostend einladen zu dürfen

Begrüßung und einführende Worte: Hans-Peter Niebuhr, Vorstandsvorsitzender
der Initiative 9. November und Fritz Backhaus, Stellvertretender Direktor
des Jüdischen Museums Frankfurt

Im Anschluss laden wir zum Konzert "Sequenza..." mit den beiden Mitgliedern des
„Mobile Beats Ensemble“ (Frankfurt)
Berk Schneider, Posaune
und Lennart Scheuren, Klangregie
"Sequenza V“ für Posaune Solo von Luciano Berio
„Basta“ für Posaune Solo von Falke Rabe,
Interpretation von Berk Schneider mit Live-Elektronik
"Ricorda cosa ti hanno fatto in Auschwitz“ für Tonband
von Luigi Nono, Klangregie: Lennart Scheuren

Danach besteht die Möglichkeit zum offenen Gespräch mit den Musikern und zum Ausstellungsrundgang.

Es wird empfohlen warme Kleidung zu tragen. Der Bunker ist nicht beheizt.

Der Eintritt ist frei; die Initiative freut sich über Spenden.
Verkehrsanbindung: U6 und U7 bis Zoo (Ausgang Pfingstweidstr.), S-Bahnen Ostendstr.
(Ausgang Hanauer Landstr.), Straßenbahnen 11, 14 oder 18 Ostendstr. und Allerheiligentor


Die Ausstellungen sind jeweils sonntags vom 14. Mai bis 26. November
von 11-14 Uhr geöffnet.
Führung durch die "Ostend-Ausstellung" jeweils um 11.30 Uhr
Eintritt: 3,- Euro, Führung zusätzlich 3,- Euro


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30. April bis 18. Juni 2017
Die Initiative 9. November e. V. beteiligt sich am Projekt:

www.newcitizens.de




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24. und 25. Februar 2017

Tagung der Initiative 9. November e. V.


"Paranoia, Populismus, Pogrom
– archaische und nationalsozialistische Affekterbschaften heute"

in der Frankfurt University of Applied Sciences (ehemals Fachhochschule Frankfurt),
Nibelungenplatz 1, Gebäude 1, Raum 401

Auf der durch die Friedrich-Ebert-Stiftung finanziell geförderten Tagung "Paranoia,
Populismus, Pogrom – archaische und nationalsozialistische Affekterbschaften heute"
(Veranstalter Initiative 9. November e.V. und Sigmund-Freud-Institut in Kooperation mit
der University of Applied Sciences) soll die Wirkung nationalsozialistischer Verfolgung in die
gesellschaftliche Gegenwart (und Zukunft) der Bundesrepublik Deutschland hinein untersucht
werden. Welche Ursprünge und Bedeutungen haben Pegida und andere rechtspopulistische
Bewegungen? Welche individuellen Identifizierungen und sozialpsychologischen
Mechanismen sind hier wirksam? Welche Rolle spielt kulturelles und kollektives Gedächtnis?
Welche ökonomischen und gesellschaftspolitischen Bedingungen lassen komplexe Konflikte
entstehen, für die Gruppen wie z.B. Pegida einfache „Lösungen“ anbieten? Wie entstehen
„genozidale Stimmungen“, die in Pogrome umschlagen können?

Programmheft


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Ausstellungen bis 27.Nov 2016
Die Kinder vom Lager Föhrenwald" und "Von Föhrenwald nach Frankfurt"
Nach Kriegsende 1945 bestimmte die US-Armee das frühere NS-Zwangsarbeiterlager
Föhrenwald in Bayern für die Unterbringung von sogenannten Displaced Persons, heimatlos
gewordenen Menschen aus ganz Europa. Anfang Oktober erklärte General Eisenhower das
Lager zu einem ausschließlich jüdischen DP-Lager, einem der größten und am längsten
bestehenden für Holocaust-Überlebende und ihre Nachkommen.
Nach Übernahme der Häuser durch das katholische Siedlungswerk 1956 wurden die
jüdischen Familien sieben Städten in der jungen Bundesrepublik zugeteilt. In Frankfurt boten
die beiden von der Nassauischen Heimstätte neu errichteten Häuser Waldschmidtstraße 129
und 131 den Familien eine bescheidene Unterkunft.

Die Wanderausstellung "Die Kinder vom Lager Föhrenwald" wurde der Initiative 9. November vom Verein "Bürger fürs BADEHAUS Waldram-Föhrenwald" zur Verfügung gestellt.
Die Ausstellung "Von Föhrenwald nach Frankfurt" wurde von den Initiativemitgliedern Iris Bergmiller-Fellmeth und Elisabeth Leuschner-Gafga konzipiert und erstellt.

und

Jüdische Musikerinnen und Musiker in Frankfurt 1933-1945
Bild- und Textmaterial internationaler Archive zeichnet die Geschichte jüdischer Musikerinnen und Musiker und ihrer Institutionen in Frankfurt sowie ihre Entrechtung in der NS-Zeit nach.
Auch Versuche des Widerstands werden dokumentiert.

Ausstellung von Judith Freise und Musikforscher und Dirigent Joachim C. Martini


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9. November 2016, 17 - 19 Uhr
Veranstaltung zum Gedenken an die Pogromnacht des 9. November 1938
In Gedenken an die Pogromnacht 1938, in der auch die Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft angezündet wurde, zeigt die Initiative 9. November den Film
„Kinder, steht alle auf, die zünden die Synagoge an!“
- eine Aufzeichnung ihrer Veranstaltung vom 28. April 2013 in der Reihe BunkerRaumKlang mit dem One Earth Orchestra und der Lesung von Zeitzeugenberichten

Auf den Fundamenten der zerstörten Synagoge an der Friedberger Anlage errichteten die Nazis später den jetzigen Hochbunker.
Der Nachmittag bietet neben dem Film die Möglichkeit zum stillen Gedenken vor und im Bunker.

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„BunkerRaumKlang“
Eröffnungskonzert der neuen Reihe „Auf der Suche nach dem verlorenen Klang“

Am 30. Oktober 2016 um 17 Uhr
spielt im Bunker das Ensemble "La Fantasia"
Werke von Dietrich Buxtehude (ca. 1637 - 1707),
Johann Jakob Froberger (1616 - 1667)
und weiteren Komponisten, die dem „Stylus fantasticus“ zugeordnet werden.

Judith Freise, Barockvioline
Freek Borstlap, Viola da gamba
Rien Voskuilen, Cembalo

Judith Freise zu ihrem ersten Konzert im Hochbunker:
"Ich möchte dieses erste Konzert in der Reihe “Auf der Suche nach dem verlorenen Klang” Joachim Carlos Martini widmen. Er ist am 29. November 2015 gestorben. Den Titel haben wir übernommen, er überschrieb lange Jahre unsere Januar-Konzerte, die in Zusammenarbeit der Jungen Kantorei und dem Ensemble „La Fantasia“ selten gespielte Werke der Barockzeit zur Aufführung brachten. Mit großer musikalischer Leidenschaft leitete Jochen die Junge Kantorei, mit ihm zusammen organisierte ich die Aula-Konzerte an der Goethe-Universität. In den Jahren 1989/90 erarbeiteten wir beide gemeinsam die Ausstellung „Musik als Form geistigen Widerstandes – Jüdische Musikerinnen und Musiker 1933-1945 - Das Beispiel Frankfurt“. Sie wurde im November 1990 in der Paulskirche gezeigt, ging mehrfach auf Wanderschaft und ist zuletzt hier von der Initiative 9. November mit Herzlichkeit und Fürsorge im Bunker dauerhaft aufgenommen worden. Auch den in der Ausstellung gezeigten Musikerinnen und Musikern von damals möchte ich unsere Konzerte widmen. Sie waren ja einmal, vor unserer Zeit, unsere Kolleginnen und Kollegen gewesen. Der Raum ist nun ein ganz anderer als zuvor die Aula der Goethe-Universität. Der Kontrast könnte nicht größer sein: die kalten Bunker-Mauern und die wärmende Ausstrahlung unserer Musik. Eine Akustik-Probe, die ich neulich zusammen mit einer Freundin gemacht habe, hat mich in großes Erstaunen versetzt - ich hätte am liebsten noch am selben Tag hier ein Konzert gespielt. Wie wird es wohl mit Publikum klingen? Mir schien, es könne sich in diesem Raum mit der Barockmusik eine neue Dimension erschließen: Nachdenken, Fühlen, Trauern, Lieben, aber auch einfach das Leben hereinholen und genießen. Ich freue mich auf Ihren Besuch!


Sonntag, 11. September 2016, 17.00 Uhr
Einladung zu Lesung und Gespräch
"Kertész lesen"
Carmen Renate Köper liest aus den Werken von Imre Kertész
am Ort der ehemaligen Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft im Hochbunker an der Friedberger Anlage 5–6, Frankfurt am Main

Moderation: Hans-Peter Niebuhr
Vorstandsvorsitzender der Initiative 9. November e.V.

Dritte Veranstaltung in der Reihe„Erzählte Erinnerung und erinnerndes Erzählen“

Imre Kertész (* 9.11.1929 in Budapest, † 31.3.2016 in Budapest), ein ungarischer Schriftsteller jüdischer Abstammung, war geprägt von seiner Zeit in Auschwitz und Buchenwald.
Neben Romanen schrieb er auch Erzählungen und Essays. 2002 erhielt er den Literaturnobelpreis “für ein schriftstellerisches Werk, das die zerbrechliche Erfahrung des Einzelnen gegenüber der barbarischen Willkür der Geschichte behauptet”, so die offizielle Begründung für die Preisvergabe.

Carmen Renate Köper lebt in Wien, ist mit Peter Eschberg verheiratet und hat drei Kinder. Sie ist Schauspielerin, Autorin und Regisseurin.
Für ihre Leistungen wurden ihr von der Republik Österreich der Berufstitel Professorin, die Ehren- und Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main,
die Wilhelm Leuschner-Medaille des Landes Hessen und das Bundesverdienstkreuz
1. Klasse verliehen.

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19. Juni 2016, 16 Uhr
"Die Kinder vom Lager Föhrenwald" und "Von Föhrenwald nach Frankfurt"
Ausstellungseröffnung
Begrüßung: Elisabeth Leuschner-Gafga (Vorstandsmitglied der Initiative 9. November e.V.)
Eröffnungsrede von Elisabeth Leuschner-Gafga

und
Dr. Sybille Krafft (1. Vorsitzende des Vereins “Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald“)
Zeitzeugengespräch mit:
Esther Alexander-Ihme, Shymon Ajnwojner, Boris Gerczikow und Majer Szanckower
Gesprächsführung: Anton Jakob Weinberger (1. Vorsitzender der Max Dienemann/ Salomon Formstecher Gesellschaft Offenbach e.V.)

Nach Kriegsende 1945 bestimmte die US-Armee das frühere NS-Zwangsarbeiterlager Föhrenwald in Bayern für die Unterbringung von sogenannten Displaced Persons, heimatlos gewordenen Menschen aus ganz Europa. Anfang Oktober erklärte General Eisenhower das Lager zu einem ausschließlich jüdischen DP-Lager, einem der größten und am längsten bestehenden für Holocaust-Überlebende und ihre Nachkommen.
Nach Übernahme der Häuser durch das katholische Siedlungswerk 1956 wurden die jüdischen Familien sieben Städten in der jungen Bundesrepublik zugeteilt. In Frankfurt boten die beiden von der Nassauischen Heimstätte neu errichteten Häuser Waldschmidtstraße 129 und 131 den Familien eine bescheidene Unterkunft.
Die Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse der "Föhrenwald-Kinder", später "Waldschmidtstraßen-Kinder" sind von höchster Bedeutung für unser Geschichtsverständnis und aktuellste Fragestellungen bezüglich des sozialen Miteinanders und der Integration.

Die Wanderausstellung "Die Kinder vom Lager Föhrenwald" wurde der Initiative 9. November vom Verein "Bürger fürs BADEHAUS Waldram-Föhrenwald" zur Verfügung gestellt.
Die Ausstellung "Von Föhrenwald nach Frankfurt" wurde von den Initiativemitgliedern Iris Bergmiller-Fellmeth und Elisabeth Leuschner-Gafga konzipiert und erstellt.

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"Jüdische Musikerinnen und Musiker in Frankfurt 1933-1945"

Bild- und Textmaterial internationaler Archive zeichnet die Geschichte jüdischer Musikerinnen und Musiker und ihrer Institutionen in Frankfurt sowie ihre Entrechtung in der NS-Zeit nach.
Auch Versuche des Widerstands werden dokumentiert.

Ausstellung von Judith Freise und Musikforscher und Dirigent Joachim C. Martini

geöffnet sonntags von 11 bis 14 Uhr im 1. OG des Bunkers.
Eintritt für beide Ausstellungen im 1. OG: 3,- Euro (zusammen)
Führungen nach Absprache (initiative-9-november@gmx.de)

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21. und 22. Mai
"One Day in Life"
Ein Konzertprojekt von Daniel Libeskind und der Alten Oper Frankfurt
24 Stunden - 18 Orte Frankfurts - 18 Dimensionen des Lebens - mehr als 75 Konzertereignisse am 21. und 22. Mai 2016

Wir freuen uns, Kooperationspartner dieses stadtweiten Konzertprojekts zu sein.
Bei uns im Hochbunker sind die Konzerte seit längerem ausverkauft!
Zum Thema "Erinnerung" wird bei uns mehrfach aufgeführt:
Paul-Ben Haim: Three Songs without Words" (Drei Lieder ohne Worte), op. 45
Luigi Nono: Ricorda cosa ti hanno fatto in Auschwitz" (Erinnere Dich, was sie Dir in Auschwitz angetan haben) für Tonband
Arnold Schönberg: Suite für Klavier op. 25

Lennart Scheuren, Klangregie (Internationale Ensemble Modern Akademie)
Peter Zelienka, Viola am 21. Mai
Maria Ollikainen, Klavier am 21. Mai
Aglaya Gonzalez, Viola am 22. Mai
Sophie Patey, Klavier am 22. Mai

www.alteoper.de/onedayinlife

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Auftaktveranstaltung 2016
8. Mai
Eröffneten das Jüdische Museum Frankfurt und die Initiative 9. November die Ausstellung "Ostend - Blick in ein jüdisches Viertel", die sich nunmehr in einer Neufassung präsentiert. Bei der Eröffnung der Ausstellung sprachen Prof. Dr. Hans-Peter Niebuhr für die Initiative 9. November und Dr. Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums sowie die Kuratorin Heike Drummer, die in die Ausstellung einführte. Den musikalischen Rahmen gestalteten Brigitte Volhard und Christopher Herrmann, beide Cello.

www.juedischesmuseum.de/presse.html

Eröffnungsrede von Prof. Dr. H. P. Niebuhr

Eröffnungsrede von Dr. Mirjam Wenzel


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16. April
Im Rahmen der stadtweiten Veranstaltung "Frankfurt liest ein Buch"
findet bei uns - noch in unserer Winterpause - im 1. Stock, eine Führung von Birgit Klein durch
die Ausstellung "Jüdische Musikerinnen und Musiker in Frankfurt 1933 bis 1945" von Judith Freise und Joachim C. Martini statt.
Bild- und Textmaterial internationaler Archive zeichnet die Geschichte jüdischer Musikerinnen
und Musiker und ihrer Institutionen in Frankfurt sowie ihre Entrechtung in der NS-Zeit nach.
Auch Versuche des Widerstands werden dokumentiert.
Eine Ausstellung der Violonistin Judith Freise und des Musikforschers und Dirigenten
Joachim C. Martini (1931-2015), Gründer und jahrezehntelanger Leiter der "Jungen Kantorei".

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2015

9. November
Gedenkveranstaltung an die Pogromnacht 1938
Wie jedes Jahr erinnern wir durch unsere Anwesenheit im und am Bunker an der Friedberger Anlage des Novemberpogroms 1938, in dessen Verlauf auch die Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft zerstört wurde.
Wir laden alle Frankfurterinnen und Frankfurter ein, sich uns vor dem Hochbunker an der Friedberger Anlage 5-6 im Frankfurter Ostend anzuschließen.
Es besteht die Möglichkeit, die Ausstellung "Ostend - Blick in ein jüdisches Viertel" im Bunker zu besichtigen.
Mit dieser Aktion möchten wir ein Zeichen setzen, damit die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät.

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8. November
Nachrichten aus dem gelobten Land - die Briefe der Anuta Sakheim
Einführung: Prof. D. W. Dreysse
Lesung: Petra Fehrmann
Cello: Brigitte Volhard

Bedroht von dem zunehmenden Faschismus in Deutschland emigrierte Anuta Sakheim 1933 mit ihrem Sohn nach Palästina. Sie ahnte nicht, dass sie in ein politisch zerrissenes Land kommen würde, in dem die Briten gegen Ende des Ersten Weltkriegs den Juden eine Heimstatt versprochen hatten. Die bewegenden Briefe an ihren Sohn Ruben erzählen von dem täglichen Überlebenskampf, dem auch andere Emigranten dort ausgesetzt waren.

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20. September
Lesung und Gespräch mit Katja Behrens "Arthur Mayer oder Das Schweigen"

Moderation: Hans-Peter Niebuhr, Vorstand der Initiative 9. November e.V.
Zweite Veranstaltung in der Reihe "Erzählte Erinnerung und erinnerndes Erzählen"

"Arthur Mayer oder Das Schweigen" erzählt in einzelnen, prägnant gezeichneten Skizzen die Geschichte von Opfern und Tätern in der hessischen Gemeinde S., "wo man sich an den großzügigen und hilfsbereiten Arzt Arthur Mayer gerne erinnert, aber nicht an den Juden, den man ausgegrenzt und der Vernichtung preisgegeben hat." (Carlotta von Maltzan)

"Im Stenogrammstil registriert Katja Behrens die Ungeheuerlichkeiten in unserer sogenannten Normalität." (Klaus Antes, NDR)

Die Erzählung dient uns als Ausgangspunkt für eine Diskussion über den Umgang mit heutigem Antisemitismus und Fremdenhass.

Katja Behrens, 1942 in Berlin geboren. Nach dem Krieg übersiedelte sie mit ihrer Mutter und der jüdischen Großmutter nach Wiesbaden. Sie lebt heute in Darmstadt. 1960-1973 freie Übersetzerin aus dem Amerikanischen (u.a. William S. Burroughs und Henry Miller), lebte von 1968 bis 1970 in Israel, 1973-78 Lektorin im Luchterhand Verlag, Herausgeberin, Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und von 2007 bis 2009 dessen Vizepräsidentin und Writers-in-Prison-Beauftragte; ausgezeichnet mit vielen Preisen (u.a. 1978 Ingeborg-Bachmann-Förderpreis, 1982 Thaddäus Troll Preis, 2003 Ehrengabe der Deutschen Schiller-Stiftung). Zahlreiche Erzählungen, Romane und Essays, u.a. "Die weiße Frau", "Die dreizehnte Fee", zuletzt "Adam und das Volk der Bäume", 2013.

Gefördert durch das Frauenreferat der Stadt Frankfurt am Main.

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14. Juni
"Hate" - Filmvorführung und Diskussionb>
am Ort der ehemaligen Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft im Hochbunker an der Friedberger Anlage 5-6, Frankfurt am Main
Im von den Frankfurter Filmemachern Jakob Zapf und Tonio Kellner gedrehten Film "Sein Kampf" entwickeln sich im Rahmen eines Zeitzeugenberichts vor einer Schulklasse äußerst spannungsgeladene Situationen - ausgelöst durch zwei Neonazis der Klasse. In der Auseinandersetzung mit den im Film gezeigten Verhaltensweisen der beteiligten Personen werden u.a. auch höchst aktuelle politische und gesellschaftliche Fragen aufgeworfen.
An dem Podium nehmen neben dem Regisseur Schüler, Schulsprecher und Studenten aus dem Rhein-Main-Gebiet teil.
Moderation: Ursula Ernst, Anne-Frank-Begegnungsstätte
Podiumsteilnehmer: Carolin Arbter, Beata Berlin, Gabriel Häusler, Mahmoud Rafati, Helene Spieles, Jakob Zapf
Einführung: Elisabeth Leuschner, Vorstand der Initiative 9. November e.V.

Eröffnungsrede von Elisabeth Leuschner-Gafga
In Kooperation und mit Unterstützung der Sebastian Cobler Stiftung für Bürgerrechte.

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26. April
Auftaktveranstaltung 2015
BunkerRaumKlang - Erinnerung
Wir laden Sie herzlich zu unserer Auftaktveranstaltung mit Musik und Lesung ein.
Es spielt das Saxophonorchester des Dr. Hoch's Konservatorium SaxLan 11.1.
Die Schauspielerin Petra Fehrmann liest Zeitzeugentexte aus unserem Buch "Erinnerung braucht Zukunft".
Mit großzügiger Unterstützung der Stiftung Citoyen.

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2014

9. November
Aufruf!
Zum Gedenken an das November-Pogrom 1938 und die Zerstörung der Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft zeigen wir gegen 17 Uhr im Hochbunker den einstündigen neuen Film zur 25-jährigen Geschichte der Initiative 9. November "Geschichte wachhalten - Erinnerung braucht Menschen" von Hans-Günther Pütz und öffnen danach bis 19 Uhr die Ausstellung "Ostend - Blick in ein jüdisches Viertel" (genauere Beschreibung unten).

Mit dieser Aktion möchten wir ein Zeichen setzen, damit die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät.
Lesenswert in diesem Zusammenhang: Edgar Sarton-Saretzkis Rede "Unbequeme Betrachtungen zum 9. November 1938 in Frankfurt am Main"

"Unbequeme Betrachtungen"
(Rede, gehalten am 6. November 2003 im Bunker an der Friedberger Anlage anlässlich des 65. Jahrestags des Novemberpogroms)

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1. und 2. November
"Die Entfesselung des Bösen - Was trieb Nazi-Täter zu ihrem mörderischen Handeln? - Psychoanalytische und gruppendynamische Erklärungsansätze
Tagung der Initiative 9. November und der Frankfurter Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft TSH

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1. November
Vorführung des Films "Das radikal Böse" von Stefan Ruzowitzky (Deutschland/Österreich 2013) und anschließende Diskussion,
Am Sonntag, 2. November vertiefende Vorträge und Diskussionen mit verschiedenen ReferentInnen

Veranstaltungsort: Haus am Dom, Giebelsaal, Domplatz 3, 60311 Frankfurt

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14. September
Auftaktveranstaltung unserer neuen Reihe "Erzählte Erinnerung und erinnerndes Erzählen" mit jungen Schriftstellerinnen jüdischer Herkunft

Portrait: Lena Gorelik

- Lesung und Gespräch zu Motiven ihres Schreibens -

Der Akzent liegt auf ihrem neuen Roman "Die Listensammlerin" (Rowohlt Verlag, 2013)

Eintritt frei. Wir freuen uns über Spenden
Mit finanzieller Unterstützung durch das Frauenreferat der Stadt Frankfurt am Main.

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25. Mai
Anlässlich der Ausstellung des Jüdischen Museums über Fritz Bauer und den von ihm initiierten Auschwitz-Prozess, der vor 50 Jahren hier stattfand, zeigen wir den
Dokumentarfilm "Memorandum", 60' (dt. Fassung), Kanada 1966, von Donald Brittain,
der u.a. auch von diesem Strafverfahren handelt. Mit seinem poetischen Talent und in seiner kargen Sprache dringt Brittain in unvergesslichen filmischen Passagen zum Wesentlichen vor.

"Neben 'Nacht und Nebel' ist dieser Film unzweifelhaft der klügste, der über die von der Welt der Konzentrationslager gestellten philosophischen und moralischen Probleme geschaffen wurde."
(Amos Vogel, Film als subversive Kunst, 1997).

"Memorandum" erhielt viele Preise, u.a. den Goldenen Löwen von Venedig.
Ein Mitglied des Filmteams wird anwesend sein, um Ihre Fragen zu beantworten.

Einführung: Ute Daub
Der Eintritt ist frei. Über Spenden freuen wir uns.

Auftaktveranstaltung 2014
mit Filmpremiere und Musik

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27. April
Auftaktveranstaltung 2014 mit Filmpremiere und Musik
Wir freuen uns, Sie zur Premiere des Films "Geschichte wachhalten - die Initiative 9. November" einladen zur dürfen
Ton: Bernhard Türke
Kamera und Schnitt: Vladimir Majdandzic
Buch und Regie: Hans-Günther Pütz

Das musikalische Rahmenprogramm bestreiten Schülerinnen und Schüler der Wöhlerschule unter Leitung von Detlef Münkler. Die Wöhlerschule ist der Initiative seit den Tagen der gemeinschaftlichen Grabung nach eventuellen Synagoge-Überresten besonders verbunden.

Eröffnung durch Hans-Peter Niebuhr, Vorsitzender der Initiative

Hans-Günther Pütz, Mitglied der Initiative 9. November, über seinen Film:
"2013 war für die Initiative 9. November ein besonderes Jahr. Sie feierte ihr 25jähriges Bestehen - nicht ohne Stolz, ist das doch für eine reine "Bürgerinitiative" eine lange Lebens - und Schaffenszeit. So war das auch für uns der Grund, ein filmisches Porträt der Initiative zu erstellen, das erzählen soll, woher wir kommen, wofür wir stehen, wie wir arbeiten, was uns bewegt. Entstanden ist eine 60-minütige Studie, ein Zeitdokument, über die Menschen, die die Initiative und ihre Arbeit gestalten. Aber auch eine Annäherung an jenen unfassbaren Ort im Frankfurter Ostend, der uns so eindringlich prägt und fordert, der Hochbunker und - als erinnerte Gegenwart die Synagoge".

Im Anschluss an den Film besteht die Möglichkeit zum Gespräch.

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2013

30. November
25 Jahre Initiative. Erinnerungen, Anmerkungen, Überlegungen
Jahresabschlussfest der Initiative am 30.11.2013

Mit einer vielgestaltigen Jahresabschlussveranstaltung am für FreundInnen, Förderer und Unterstützer läßt die Initiative ihr Jubiläumsjahr ausklingen. Die rund 80 Gäste lauschen den einführenden Kurzstatements einzelner Mitglieder, die die Entstehung und Geschichte der Initiative bis zum heutigen Tag Revue passieren ließen sowie den anschließenden musikalischen Einlagen der Jungen Kantorei. Viele Chormitglieder waren eigens angereist, um ihren Gründer und ehemaligen Leiter Joachim C. Martini zu würdigen. Dessen Ausstellung „Jüdische Musiker und Musikerinnen in Frankfurt“ wird im Anschluss im Bunker eröffnet.

• Ute Daub: Die Anfänge

• Elisabeth Leuschner-Gafga: Zur Geschichte der „Initiative 9. November e.V.“ 1996 - 2005

• Wolfgang Leuschner: Ausgraben der Fundamente der Synagoge
10. November 2013

• Hans-Peter Niebuhr:
Grabungen

Aufruf zu einer Veranstaltung

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3. November
Lesung und Film mit Carmen Renate Köper
Warum starb Sonja Okun?

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15. September
Dokumentarfilm 'Ich habe den Krieg gewonnen' über das Leben von Trude Levi

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30. Juni
Podiumsdiskussion 'Gemeinsam gegen Rassismus und Menschenhass' mit Anetta Kahane u.a.

Elisabeth Leuschner-Gafga: Begrüßungsrede

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2012

7. Oktober bis 4. November
'Kinder, steht alle auf, die zünden die Synagoge an!', Lesung mit Petra Fehrmann, Günther Henne und dem One Earth Orchestra unter der Leitung von Volker Staub

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7. Oktober bis 4. November
Ausstellungen »BESA Eine Sache der Ehre« und »Zivilcourage und Widerstand« Hochbunker an der Friedberger Anlage 5-6, Frankfurt a. M.

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30. September
Film- und Diskussionsveranstaltung in Kooperation mit der KunstGesellschaft e. V. "Erinnern und Erinnerung: Walter Benjamin" mit Prof. Reiner Diederich, Prof. Hans-Peter Niebuhr und David Wittenberg - im Anschluss an seinen Film "Geschichten der Freundschaft Walter Benjamin zum Gedächtnis"

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2011

9. November
Gedenkveranstaltung Jahrestag der Reichspogromnacht (u.a. mit dem Film Die Erinnerung zeigt mir ganz andere Bilder - Herbert Stein und sein Frankfurt des hr-Autors Peter de Leuw)

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6. November
Vortrag Es war richtig, wieder anzufangen - Juden in Frankfurt am Main seit 1945 (Vortrag von Dr. Helga Krohn)

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23. Oktober
Film Der große Raub - wie in Hessen die Juden ausgeplündert wurden (hr-Autoren Henning Burk und Dietrich Wagner)

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11. September
Mir ward die Liebe nicht. Bertha Pappenheim - Portrait einer ungewöhnlichen Frau. Carmen Renate Köper zeigt ihren Film über die Frauenrechtlerin und jüdische Sozialpionierin Bertha Pappenheim (* 27. Februar 1859 in Wien; 28. Mai 1936 in Neu-Isenburg)

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4. Juni
Konzert "Jiddisch zu Dritt"
mit Hana Frejková (Gesang) und Marianna Borecká (Gesang), Milan Potocek (Klarinette), Slávek Brabec (Akkordeon)

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27. März
Carmen Renate Köper liest Mascha Kaléko: Was man so braucht

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2010

7. November
"Robert Ritter und Eva Justin: NS-Zigeunerforscher am Frankfurter Gesundheitsamt der Nachkriegszeit"
Vortrag von Ute Daub

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24. Oktober bis 14. November
Ausstellung "Frankfurt - Auschwitz"
dokumentarisch künstlerische Ausstellung zur Vernichtung der Roma und Sinti.
Eine Ausstellung des Fördervereins Roma e. V. mit dem Künstler Bernd Rausch und der Initiative 9. November im Hochbunker an der Friedberger Anlage 5-6, Frankfurt am Main

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24. Oktober
Eröffnung der Ausstellung, Einführungsvortrag von Joachim Brenner

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31. Oktober
Joachim Brenner im Gespräch mit den Zeitzeuginnen Frau Rose und Frau Strauß

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12.September
Lesung und Filmvorführung mit Carmen-Renate Köper
Carmen-Renate Köper zeigte ihren Dokumentarfilm Schreiben um zu Überleben über die Autoren Anja Lundholm, Hermann Langbein und Maria Gräfin Maltzahn und las aus Anja Lundholms Buch Das Höllentor.

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13. Juni
Präsentation unseres Buches Erinnerung braucht Zukunft der Ort der ehemaligen Synagoge an der Friedberger Anlage 5-6 in Frankfurt am Main, das im Frankfurter Verlag Brandes & Apsel erscheint.

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12. Juni
Lesung mit Carmen Renate Köper:
Hélène Berr Pariser Tagebuch 1942 - 1944
Vortrag mit Buchvorstellung: Dr. Ursula Dreysse
Hélène Berr (* 21.3.1921 in Paris, April 1945 im KZ Bergen-Belsen) wird oft als die französische Anne Frank bezeichnet. Sie war zwar älter als Anne, aber ihr Tagebuch aus dem besetzten Paris ist ebenfalls ein berührender Zeugenbericht. Sensibilität und Empörungsfähigkeit sind die beiden Grundzüge des Journals, das auch eine literarische Entdeckung ist. Ihr Tagebuch ist erst 2008 in Frankreich erschienen, bis dahin war es im Besitz der überlebenden Familie. Hier in Deutschland wurde es Anfang 2009 veröffentlicht." (Mit freundlicher Genehmigung des Carl Hanser Verlags
Hélène Berr, Pariser Tagebuch 1942-1944,Übersetzt aus dem Französischen von Elisabeth Edl, Vorwort von Patrick Modiano,© 2009 Carl Hanser Verlag München)

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9. Mai
Erzähl- und Gesprächsrunde mit Abraham Bar-Ezer - früher Markus Stutzmann

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7. Mai
es wird vor dem Haus Sandweg 11 ein Stolperstein zum Andenken an Amalie Stutzmann verlegt. Sie wurde am 11. November 1941 nach Minsk deportiert und ermordet. Ihr Sohn Abraham Bar-Ezer wird zu dieser Verlegung aus Israel nach Frankfurt kommen und ist bereit, uns aus seinem Leben zu erzählen: von seiner Kindheit im Frankfurter Ostend von der Rettung nach Palästina mit einer Gruppe aus dem Waisenhaus im Röderbergweg - vom Leben in einem orthodoxen Jugenddorf in der Nähe von Haifa von seinem weiteren Leben in Israel
Moderation: Dr. Helga Krohn

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25. April
Valentin Senger im Ostend
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe des Kulturamtes der Stadt
Frankfurt am Main und des Schöffling Verlages
Frankfurt liest ein Buch: Valentin Senger Kaiserhofstraße 12:
ein literarischer Spaziergang durch das historische Frankfurter Ostend mit Valentin Senger als Reiseführer
Es liest: Carmen Renate Köper - Einführung: Ute Daub
Diaprojektion: DW Dreysse

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2009

8. November
Die Frankfurter Autorin Petra Bonavita liest aus ihrem neuen Buch
Mit falschem Pass und Zyankali

Das Buch erzählt von Rettern und Geretteten in der NS-Zeit und wie sie seit 1942 zueinander kamen, von Verstecken und Fluchtwegen in die Schweiz, die Niederlande und nach Frankreich. Falsche Pässe, vorgetäuschte Selbstmorde, das Chaos nach Bombenangriffen und riskante Grenzübertritte retten die Verfolgten vor der Vernichtung.

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26. April
Wiedereröffnung der Ausstellung Ostend Blick in ein jüdisches Viertel mit der Vorführung und Diskussion des Dokumentarfilmes Hitlers Memorandum von Donald Brittain, 60, Kanada 1966.

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2008

19. Oktober
Präsentation der Getto-Chronik Lodz, eine Gedenk-Veranstaltung für die vor 67 Jahren nach Lodz deportierten jüdischen Frankfurter, in Kooperation mit der Lagergemeinschaft Auschwitz, dem Fritz-Bauer-Institut, dem Jüdischen Museum Frankfurt und der Arbeitsstelle Holocaust-Literatur der Justus-Liebig-Universität Gießen. Studierende aus Giessen lesen aus der Getto-Chronik.

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28. September bis 12. Oktober
Dreiteilige Veranstaltungsreihe Rettungsgeschichten Frankfurter Juden, vorgetragen von Nachkommen der Zeitzeugen.

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8. Juni
(im Theaterhaus, Schützenstrasse)
Erinnerung braucht Zukunft Symposium zur weiteren Nutzung und Gestaltung des Ortes der ehemaligen Synagoge der IRG.
(C. Kugelmann, M. Brumlik, H. Heer, W. Leuschner, K. Grünberg, U. Daub, DW Dreysse, N. Hirsch, W. Lorch,
P.C.Schmal.)

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13. April
Katja Behrens liest aus ihrem Erzählband Salomo und die anderen jüdische Geschichten.

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2007

9. September
Es wären 100 Jahre ... Gedenkfeier in Erinnerung an die 1907 eingeweihte und 1938 zerstörte Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft mit Vorträgen zur Geschichte und Zeitzeugenberichten. (S. Korn, F. Semmelroth, M. Morgenstern, M. Grellert, C. Peiser, A. Rosenthal, R. Lapide, Rabbi B. Jacobson, Ruth Fühner)
Chor der Jungen Kantorei Frankfurt unter J.C. Martini.

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24. Juni bis 22. Juli
Fünfteilige Filmreihe über Exil-Erfahrungen jüdischer Frankfurter Familien.

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22. April
Carmen Renate Köper liest Texte von Bert Brecht aus Die Jüdische Frau, musikalisch begleitet von Schülerinnen und Schülern der Frankfurter Wöhlerschule.

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H2>2003 6. November

Edgar Sarton-Saretzki

(Rede, gehalten im Bunker an der Friedberger Anlage anlässlich des 65. Jahrestags des Novemberpogroms)

Betrachtungen zum 9. November 1938 in Frankfurt am Main

Ein berühmter englischer Roman beginnt mit dem Satz: "The past is a foreign country, they do things differently there." Die Vergangenheit ist ein fremdes Land: Dort geht es anders zu.
Der englische - und jüdische - Historiker Eric Hobsbawm - aus Alexandria, Wien, Berlin, Cambridge - zitiert ihn mehrmals in seiner vor kurzem erschienenen Autobiographie "Interesting Times. A Twentieth Century Life". Er bezieht sich auf den bekannten chinesischen Fluch: "May you live in interesting times!" Du sollst in interessanten Zeiten leben!
"Historiker meines Alters", sagt Hobsbawm, "sind Wegweiser zu einem maßgeblichen Ausschnitt der Vergangenheit, zu diesem fremden Land, in dem es anders zuging, weil wir dort gelebt haben. Wir waren da, wir wissen, wie es sich angefühlt hat, und das verleiht uns Immunität gegen die Anachronismen Derjenigen, die es nicht waren."
Ich schicke dieses Zitat meinen Ausführungen voraus, denn es passt auf einige Derjenigen, die den 9. November - man könnte sagen - appropriieren, ihn mit Anachronismen ausschmücken, während ihnen das Wichtigste - wie es sich angefühlt hat - entgeht, entgehen muss. Wie auch die heutige - oft unsägliche Debatte - über das Thema "Deutsch-jüdische Symbiose" am Wesen der Beziehung vorbeigeht, abstrakt bleibt.
Das Abstrakte - das Hantieren mit Begriffen -, die Psychoanalytiker unter Ihnen wissen es, ist meist nur eine Umgehung, ein Ausweg, ein Hindernis beim Verstehen. In den Worten des Historikers Saul Friedländer: "Die Opfer werden zu statistischen und abstrakten Elementen des historischen Hintergrunds. Es wird zu oft vergessen, dass die Nazi-Haltungen und -Maßnahmen nicht völlig beurteilt werden können ohne das Wissen über das Leben und selbst die Gefühle der jüdischen Männer, Frauen und Kinder."
Die Gefühle so vieler unserer Väter, über die der 9. November hereinbrach, für die die Welt - ihr Deutschland - endgültig anders aussah, reichen ja bis ins Kaiserreich, in ein Land, wie es damals war, sie formte, ein fremdes Land.
Wie hat sich der 9., der 10., der 11. November angefühlt?

Die Tage trafen ein unvorbereitetes Gemeinwesen und in ihren innersten Gefühlen verwundbare Einzelwesen.
Aus heutiger Sicht sicherlich unverständlich. Es gab die pogromartigen Märztage in Wien nach dem "Anschluss". Aber kein Fernsehen brachte sie in die Wohnzimmer. Auch die Deportation der in Deutschland lebenden polnisch-jüdischen Staatsbürger wenige Tage zuvor an die polnische Grenze war kaum Gesprächsthema, zumindest nach meiner Erinnerung, obwohl sie einen engen Freund und Gönner der Familie betraf.
Urnen mit den sie begleitenden Zahlungsaufforderungen aus den Konzentrationslagern waren schon lange vorher eingetroffen. Es war nicht ratsam, darüber zu sprechen - aber mein Freund Ascher sprach davon -, der Vater war politisch tätig gewesen.
Auf der Zeil erschienen die ersten Paare der SS-Verfügungstruppe im schwarzen Stahlhelm und weißen Handschuhen... Aber die alltägliche Gewalt auf den Straßen zwischen den paramilitärischen Verbänden der Parteien war verschwunden. Der Einsatz der SA beim Boykott des April 1933 war so nicht wiederholt worden. Es folgten ihr blutiger Machtverlust im Juni 1934 - aber auch die Erschießung des Generals und ehemaligen Kanzlers Kurt von Schleicher und seiner Frau sowie des Generals Ferdinand von Bredow in ihren Wohnungen... als Staatsakt legitimiert.

Nun war ja der Staat - wie auch immer er bisher aufgetreten war - oft der Schutz der Juden vor dem Pöbel, dem Mob, ja oft ihr Förderer gewesen. Mit den Hindernissen, die er bis in die Weimarer Zeit noch beibehielt, konnte man leben. Auch Fettmilch und Genossen in Frankfurt waren vom Kaiser erledigt worden, nicht vom Rat der Stadt.
Das Gefühl, auch dieser Staat werde gewisse Grenzen nicht überschreiten, vor allem bei denen, die auf kaiserlichen Kasernenhöfen auf Tuchfühlung mit ihren Kameraden gestanden hatten - ganz zu schweigen von der Front - trotz der so genannten Judenzählung des Jahres 1916 -, dieses Gefühl hatte vielen durch schlimme Tage geholfen.
Es war schwer für sie - trotz allem, was man erlitten hatte an Statusverlust -, sich gänzlich als Außenseiter, als Ausgestoßene zu betrachten, als vogelfrei im Ordnungsstaat - oder in was sich immer noch als solcher legitimierte und - rein äußerlich - auch so erscheinen konnte.

So wie es nicht d e n Juden gibt, der eine Erfindung der Nazis ist, so gibt es auch nicht d e n 9. November. Alles in diesen Tagen war bruchstückhaft, für jeden Betroffenen zunächst Einzelschicksal, nicht sofort als allgemeiner Pogrom fassbar.

Philanthropin, 10. November, etwa acht Uhr morgens. Der Direktor Dr. Albert Hirsch öffnet die Klassenzimmertür: "Die Synagoge Friedberger Anlage brennt. Geht nach Hause!" Das war wohl auch alles, was er in diesem Augenblick wusste. Ob er Buchenwald als seine nächste Zukunft ahnte . kaum. Wir radelten ruhig, wie immer, nach Hause - die meisten ins Westend und ins Nordend, wenige ins Ostend. Das war für die Mehrheit der Philanthropiner eine andere Welt.

Zu Hause, Lersnerstraße: die Familie Lerner. Er, Louis Lerner, Kassierer der Jüdischen Gemeinde, geflüchtet aus der Rauch gefüllten Wohnung, Teil der Synagoge Königsteinerstraße im Westend, jetzt Westendsynagoge. Brannte auch die Hauptsynagoge in der Innenstadt? Sie brannte, umringt von einer gaffenden, aber sich passiv verhaltenden Menge. Mein Vater schritt durch sie hindurch, in den Nebeneingang, und kam mit einem Arm voll Partituren, Liturgien des Gottesdienstes, wieder heraus.
Was hatte er sich dabei gedacht? Dass man ihn angreifen könnte und mich auch, den er in der Menge zurück gelassen hatte? Anscheinend nicht. Wieso nicht? Das ist doch eine berechtigte Frage in der heutigen Welt der Leibwächter und Polizeiwachen.
Als Schwerverwundeter der Marneschlacht, September 1914, war er mit Gewalt vertraut. Seinen Totschläger hatte er mich erst wenige Tage zuvor in die Mülltonne werfen lassen. Offenbar glaubte er sich auf sein Gefühl verlassen zu können, was ihn auf den Straßen Frankfurts erwarten könnte.
Da war die kleine Blutlache um den einsamen Hut auf der Straße Ecke Bornwiesenweg/Lersnerstraße am Morgen des 11. November - der Herz zerreißende Schrei einer Frau hatte mich auf sie aufmerksam gemacht - ein Zeichen, dass sich doch etwas radikal geändert hatte.

In der vorhergehenden Nacht - ich war mit meiner Großmutter allein, meine Eltern waren verschwunden, ohne dass ich wusste, wohin - gingen die Lichter in vielen Wohnungen der Nachbarschaft an, Wagentüren klappten zu, es war klar, dass Leute heraus geholt wurden. Jetzt erfuhr man, wie es sich anfühlt, auf das Klingeln, das Rütteln an der Tür, das Klopfen, die schweren Schritte auf der Treppe zu warten. Wie es ja schon bei Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschaftern, unliebsamen Schriftstellern und Publizisten praktiziert worden war.

Am Morgen des 11. fuhr ich mit dem Rad über den Opernplatz in den Kettenhofweg, um mich nach meiner Freundin, Aenne Isaac, der Tochter des Chefarztes des Jüdischen Krankenhauses, zu erkundigen. Der SA-Posten an der Ecke Bockenheimer Landstraße/Kettenhofweg hielt mich nicht an - bei mir, in kurzen Hosen und Windjacke hatte ihn sein Gespür anscheinend im Stich gelassen.
Dort verwies mich die Haushälterin ans Krankenhaus in der Gagernstraße. Hier waren schärfere Männer am Werk. Zwei recht unscheinbare Männer in Hut und Regenmantel, als Gestapo-Leute nicht gleich zu erkennen, die mich vom Rad runter an die Wand stellten mit etwa einem Dutzend anderer Verhafteter. Im Taxi, in das sie uns durch- und übereinander stießen - sie bezahlten den Fahrer mit dem Geld, das wir bei uns hatten - ging es zum Polizeirevier. Der blau uniformierte Wachtmeister hinter dem Bürotisch, vor dem ich unaufgefordert aber mit dem richtigen Instinkt stramm stand, ließ mich laufen.
Mein Schulbankkamerad Kahn, nie besonders begabt auf dem Turnboden, kam am selben Tag, wie ich später erfuhr, über die Festhalle nach Buchenwald.

Der Gestapobeamte, der am nächsten Morgen meinen Vater in der Wohnung verhaftete, kam in Begleitung zweier schlanker junger Männer in der Uniform der allgemeinen SS, die sich die Bilder im Musikzimmer und die Bücher im Herrenzimmer interessiert anschauten - also keinesfalls die Wohnungszertrümmerer, von denen im Ostend berichtet wird.
Die Rollläden an einigen der Wohnungen in der Lersnerstraße wurden herunter gelassen, als mein Vater in den Wagen, der unten wartete, stieg. Die Straße war immer noch menschenleer, als er nach etwa einer Stunde mit dem Köfferchen in der Hand zu Fuß wieder zurückkam. Eine seltene Ausnahme unter den Repräsentanten der Jüdischen Gemeinde. Hatte der Kommandant der Wache, dem man ihn vorführte, sein Verwundetenabzeichen honoriert? - in den Konzentrationslagern konnte es und andere Auszeichnungen zur Folter und zum Tode führen - oder hatte er in ihm einen Mitgefangenen aus französischen Kriegsgefangenenlagern erkannt? Er sagte nur, er hätte die Wache durch die Hintertür verlassen.


Regeln galten nicht, der Ordnungsstaat hatte gegenüber Juden seine ihm inne wohnenden anarchischen Züge offen gelegt. Das hatte - führende Nazis erkannten es - so manchen Bürger erschreckt. Die Bürokratisierung der Verfolgung - und später der Vernichtung - war die Folge.
Es ist ein oft beobachtetes Phänomen, dass dort, wo die Alltagsbeziehungen unter Geschäftspartnern und Nachbarn eng und überschaubar waren - wie in den kleinen hessischen Orten und Dörfern -, es zu unerwarteter Gewalt kam, als wäre es ein Sündenfall gewesen, den man nun öffentlich und demonstrativ abbüßen wollte.

Wir sind, sagt der Schriftsteller und Nobelpreisträger Isaak Bashevis Singer, die Opfer einer Bande von Intellektuellen.
Der lange Arm der Theoretiker des Erbbiologischen und Rassenhygienischen Instituts der Universität Frankfurt und der völkischen Denker der Universitäten reichte - das wissen wir heute - bis nach Auschwitz-Birkenau.

Das Gefühl, sich in ihrer Umgebung auszukennen - selbst nach sechs Jahren Nationalsozialismus - erwies sich als trügerisch und für manche als tödlich. Bildung, Halt und Hoffnung der deutschen Juden half nicht zu erkennen, mit was man es zu tun hatte. Die wohl gebildetsten und feinsten unter unsern Lehrern am Philanthropin, Dr. Ernst Marbach und Dr. Henry Philipp, starben nicht allein an den Folgen der körperlich unerträglichen Verhältnisse im Konzentrationslager; sicherlich auch daran, dass sie stärker als robustere Naturen seelisch verwundbar waren. Sie waren es ja, die Bildung, verankert in der Sprache, übermittelten. Sprache war nicht nur ein Kommunikationsmittel, sie gehörte zum Wesen - heute sagt man: Identität.

Der jüdische Dichter aus Darmstadt, Karl Wolfskehl, gehörte zum engen, elitären Sprachkreis des Mythologen Stefan George, auch in der jüdischen Jugendbewegung berauschten wir uns an seinen Versen. So wie Claus Schenk von Stauffenberg. Im fernen Neuseeland zerbrach Karl Wolfskehl an dem Gefühl, aus ihm verstoßen zu sein.

Wie hat sich der 9. November angefühlt in seiner überraschenden Radikalität? Können Menschen, die völlig anders aufgewachsen sind, ihn überhaupt nachfühlen?

Vielleicht gibt es eine gewisse Annäherung in jüngster Zeit hier in Frankfurt. Ich habe mir lange überlegt: Soll ich dieses Beispiel anführen? Es kam mir schon damals in den Sinn. Ich denke an den Auftritt Martin Walsers in der Paulskirche. Nicht an seine Rede, vielmehr an den Beifall des geladenen Publikums. Herr und Frau Bubis, eben noch prominenter Teil der Gemeinschaft in der ersten Reihe, plötzlich überraschend abgeschnitten, isoliert, allein. Es war eine - wenn auch gewaltlose - Überrumpelung, die Bubis schließlich fragen ließ: Alles umsonst?
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Telefon 0177 6446307.

Anfahrt: S-Bahn Station Ostend, U-Bahn Station Zoo, Straßenbahnlinie 11 & 14 Allerheiligentor. (Denken Sie bitte an warme Kleidung!)