Wir wollen die 1938 zerstörte Synagoge an der Friedberger Anlage in Frankfurt wieder sichtbar machen. Vor dem Hochbunker soll ein Fernrohr aufgestellt werden, durch das Besucher*Innen stereoskopische Bilder einer Rekonstruktion der Synagoge sehen.
Die Synagoge Friedberger Anlage gehört zu einer Reihe von Synagogen, die in der NS-Zeit zerstört worden sind und die am Fachgebiet Digitales Gestalten der Technischen Universität Darmstadt unter der Leitung von Marc Grellert virtuell rekonstruiert worden sind. Ziel des Projektes ist es, den kulturellen Verlust, die Schönheit der einst in Deutschland vorhandenen Synagogen-Architektur vor Augen zu führen, aber auch die frühere Bedeutung für das Stadtbild zu würdigen und in Erinnerung zu rufen. Gleichzeitig will das Projekt einen Beitrag zum Gedenken an die Shoah leisten. Mit einer Förderung der Stiftung Giersch gelang es der TU Darmstadt nun die virtuelle Rekonstruktion der Synagoge Friedberger Anlage zu realisieren.
An den authentischen Orten der zerstörten Synagogen fehlt in der Regel eine Anschaulichkeit der ehemaligen Gotteshäuser. Um dieses Defizit zu kompensieren, wurde ein Konzept „Fernrohr in die Vergangenheit“ entwickelt, um mit virtuellen Rekonstruktionen den kulturellen Verlust aufzuzeigen. An Standpunkten innerhalb und außerhalb der Grundfläche ehemaliger Synagogen werden Installationen mit stereoskopischen Bildern einer im Computer rekonstruierten Synagoge aufgestellt. Man sieht, wie die Synagoge von dieser Stelle aussehen würde, wenn sie noch stünde. Die Installation ist von ihrer Gestalt Fernrohren nachempfunden. In einem städtischen Gefüge sorgen sie für Irritation. Diese Irritation entspricht auch der Situation vor Ort, die nicht normal ist, denn normal stünde hier ein prächtiges Gotteshaus.
Für die Installation zur Synagoge Friedberger Anlage wurde bereits ein kleiner Platz in der gegenüberliegenden Grünanlage angelegt. Zwei Okularpaare sind vorgesehen. Eins für das Durchschauen im Stehen, ein weiteres bietet Kindern oder Personen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, die Möglichkeit die Installation zu erleben. Das Bild mit der Computer-Rekonstruktion zeigt, wie die Synagoge von hier vor ihrer Zerstörung ausgesehen hat. An der Stelle der Synagoge steht heute ein von den Nationalsozialisten errichteter Hochbunker, in dem die Initiative 9. November zu Thematiken im Kontext der NS-Zeit Ausstellungen organisiert und Veranstaltungen durchführt. Die nachfolgenden Bilder zeigen eine vergleichbare Installation in Darmstadt und den Standort in Frankfurt. Die Kosten für die Realisierung betragen rund 28.500 € und sind unten im Detail angeführt.
Das Projekt wird aktuell unterstützt durch die Stiftung Citoyen, die DZ Bank AG, die Holger Koppe Stiftung, dem Kulturamt Frankfurt am Main und der Naspa Stiftung.
Das „Fernrohr in die Vergangenheit“ soll in einer Feier voraussichtlich am 1. September 2026 eingeweiht werden.

